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Also, was ich noch sagen wollte...

Ich habe das Thema Politik und Wahlen absichtlich gemieden, weil die Gefuehle auf beiden Seiten des Spektrum so hochgelaufen sind, dass ich mir sicher war ich wuerde wen beleidigen und eventuell eine Diskussion in den Kommentaren starten und das wollte ich nicht. Die allgemeine Stimmung vor den Wahlen war nur davon gepraegt: das gegenseitige Niedermachen und Durch-den-Kakao-ziehen, es war wirklich kaum ertraeglich. Trotzdem hat es mich einige Ueberwindung gekostet, nichts zu schreiben, weil ueberraschenderweise hatte ich auch eine Meinung und die musste ich doch jemandem aufdraengen.

Es soll auf Deutsch sein... weil ich mich trotz erfolgreicher Akklimatisierung immer noch als Europaeerin sehe und vor allem bei diesen Wahlen gemerkt habe, dass ich den Amerikanischen Zugang zu Politik und nationaler Identitaet ueberhaupt nicht verstehe. Gut, vielleicht verstehe ich ihn, aber das Nachvollziehen ist unmoeglich. (Dies ist kein objektiver Artikel, sondern nur meine Meinung.)

Ich bin vom Wahlergebnis enttaeuscht. Nicht so sehr weil ich Kerry sehr kompetent oder aufrichtig fand, sondern weil ich weiss, welche Ansichten Bush zur Wiederwahl verholfen haben. Ich habe 4 Jahre lang in einer Kleinstadt in Indiana gelebt, die fast zur Gaenze Republikanisch ist. Vereinfacht gesagt: fast 70% sind regelmaessige Kirchenbesucher (hauptsaechlich Protestantisch), konservativ in ihren Ansichten, besonders was die Hautfarbe betrifft, entschieden gegen Steuern und gegen staatliches "Einmischen" - besonders was Soziales betrifft, Befuerworter der Todesstrafe und vor allem grosse Patrioten. (Natuerlich ist das eine schlampige Vereinfachung, aber ich habe auch nicht vor, einen Diskurs ueber die politischen Parteien der USA zu fuehren. All das ist nachlesbar.)

Fuer mich hat sich die Republikanische Sicht der Dinge sehr schnell als komplett fremd herausgestellt. Die Ansicht, dass die beste Organisation der Wirtschaft auf der simplen Ideologie "Der Staerkste gewinnt" beruhen soll mit dem ziemlich unversteckten Selbstverstaendnis, dass auf die Weise sowieso nur faule Nichtsnuetzer aussortiert werden, war fuer mich eher ein Schock. Ich bin ja aus Oesterreich, wo "Beihilfe" zum normalen Wortschatz dazugehoert. Bush ist nicht einmal moderat in dieser Hinsicht. Er hat Steuern gesenkt im Sinne der "Trickle-down-economics" (- Den Reichen helfen heisst den Armen helfen) und Sozialleistungen gekuerzt - damit die Armen endlich auf Jobsuche gehen! Angeblich wird so der "American Dream" gewahrt, weil dann jeder die Chance hat, sich aus dem Nichts in einen Millionaer zu verwandeln. Offensichtlich muss es dann in jedermanns Interesse sein, so nahe wie moeglich dem Nichts zu bleiben...

Was mich aber an der (ueberwiegend) Republikanischen Haltung am meisten stoert ist ... natuerlich der Patriotismus. Es ist ein Vergleich mit anderen Laendern oft schwer moeglich, dadurch dass "Amerika" fuer viele eine Idee repraesentiert und nicht nur eine gemeinsame Geschichte. Das ist natuerlich ein gutes Argument und ich kann bis zu einem gewissen Grad diesen Enthusiasmus verstehen - solange er im Kontext der rechtlosen Immigranten aufkommt, - denen die Amerikanischen Idee das Leben gerettet hat. Leider ist das aber meistens gar nicht der Fall. Es schreien immer die am meisten nach "American freedom", die nie etwas anderes gekannt haben. Es ist nicht ueberraschend, dass Schwarze meistens nicht Republikanisch waehlen... Fuer mich ist das Ganze irrsinnig heuchlerisch. In Amerika existiert die fatale Mischung von kompletter Unwissenheit* und perfekter Propaganda. Wann immer ein grobes Problem im Land aufgezeigt wird, findet sich wer der dann sofort kontert mit so etwas wie: "Wir muessen aber bedenken, dass trotz allem Amerika das beste Land der Welt ist. Wir sind alle sehr froh und stolz Amerikaner zu sein. So viele Menschen aus aller Welt waeren gerne Amerikaner!" Und! Das wird als ein wichtiger, wenn nicht DER wichtigste Beitrag zur Diskussion angesehen. Es ist unglaublich wie leicht es geht, ganze Menschenmengen damit von der eigentlichen Sache abzulenken. Bush hat diese Methode perfektioniert, vor allem in den Pressekonferenzen. Jede Antwort (vor allem zu unangenehmen Fragen ueber Irak) wird aus einer eleganten Kombination aus den Worten "freedom", "american people" und "rights" gebildet und falls von den Journalisten weitergebohrt wird, dann wird mit ein bisschen Umschweife erklaert, dass man dem Praesidenten vertrauen muss.

Fuer mich repraesentiert Bush den selbstgerechten "Christen", fuer den die Dinge einfach liegen und wenns nicht anders geht, einfach gemacht werden muessen. Die Guten duerfen sich vor dem Boesen schuetzen, weil die Boesen kommen in die Hoelle, insofern ist die Todestrafe und der Krieg immer gerechtfertigt (da hilft man ja Gott mit der Aufraeumarbeit). Er sieht sich als einer von den Guten und die einzelnen Buerger muessen die Details nicht wissen, sondern sollen ihm vertrauen, weil er ja der Gute ist. Ich weiss nicht ob ich diese Einstellung nicht fast schlimmer finde als den falschen und hinterfotzigen "Katholizismus" des John Kerry. Fuer die meisten Katholiken war Bush der klare Kandidat - weil er gegen die Abtreibung ist. Die Bischoefe haben sich sogar indirekt fuer die Republikanische Seite ausgesprochen. Es ist verstaendlich einerseits und ich weiss nicht, wie ich gewaehlt haette, aber ich stimme ihrem Argument, dass der Krieg seine Wurzeln in der Abtreibung hat, nicht ganz zu. Fuer mich hat die relativ schnelle Bereitschaft zum Krieg in den USA eher mit der Todesstrafe was zu tun. Die Boesen werden leicht identifiziert, von da an muss man nur mehr den Revolver ziehen. Es war schrecklich frustrierend fuer mich, so viele Katholiken in absoluter Verliebtheit von Bush zu schwaermen. Ich finde nichts, aber auch gar nichts Christliches an der Philosophie der Republikanischen Partei. Es mag zwar stimmen, das vielleicht Bush mehr gegen Abtreibung tun wird als Kerry, aber er ueberzeugt mich nicht als ein Kaempfer fuer die Schwachen. Ich haette verstanden, wenn man als Katholik Bush als kleineres Uebel sieht - aber immer noch als UEBEL -, aber enthusiastische Unterstuetzung? Man glaubt irgendwie, man wird unter Katholiken Gleichgesinnte finden, weil die Weltsicht doch aehnlich sein muesste - und dann findet man heraus, dass die nationale Zugehoerigkeit doch Vorrang hat.

Kerry hatte wohl nie eine Chance. Persoenlichkeitsmaessig war er immer schwaecher, aber seine Bereitschaft, Farbe zu wechseln um sich beliebt zu machen hat die Niederlage zementiert. Ich stimme mit Kerry in meisten Dingen nicht ueberein, aber als Europeaerin ist fuer mich in der Republikanischen Welt ueberhaupt kein Platz. Ich habe mir einiges anhoeren muessen, wie ich nicht mitreden kann, weil ich ja nicht von hier bin und weil mir ja offensichtlich das Amerikanische Volk ueberhaupt nicht am Herzen liegt. und ueberhaupt bin ich ein iloyaler Pazifist (!). Es ist fuer mich immer wieder, sogar nach fast fuenf Jahren, unbegreiflich was fuer eine Froschperspektive viele Amerikaner haben, was den Rest der Welt betrifft. Ich wuenschte es waere wirklich nur ein Klischee, aber es ist leider wahr. Es gibt natuerlich genug Amerikaner, die nicht so sind, aber bei so vielen Millionen von Menschen ist auch 55% sehr sehr viel. Einerseits habe ich eingesehen, dass man als Europaeer die Amerikanische Situation schwer verstehen kann, weil Amerika einfach SO GROSS ist und das einen entscheidenden Einfluss auf die Dynamik des Landes und der Politik hat. Wenn man Oesterreichs Einwohnerschaft hundert mal vergroessert aber genau die gleichen Proportionen von Einkommen und Bildungstufen beibehaelt, wuerden sich sicher aehnliche Probleme entwickeln - auch wenn das sicher niemand zugeben wuerde. Andererseits habe ich doch nur beschraenkt Verstaendnis fuer Engstirnigkeit, weil ich finde, wenn man so viel Macht hat, MUSS man einfach informiert sein.

Ich habe leider zu viele Menschen persoenlich kennengelernt, denen Bush aus der Seele spricht. Fuer sie gilt: "Amerikanische Interessen sind an erster Stelle" - und die Tatsache, dass die Welt viel komplizierter ist und dass man mit dieser Einstellung sich selber das sichere Grab schafft, ist fuer sie "liberale" und "unamerican" (die groesste Suende!) Propaganda.

Wir haben vor kurzem diesen (ausgezeichneten) Film angeschaut, ueber Robert McNamara, dem U.S. Aussenminister waehrend des Vietnamkrieges. In der Dokumentation legt er elf Lehren dar, die er aus seiner politischen Erfahrung gezogen hat, vor allem im Kriegfuehren. Fast alle (ALLE!) stehen im genauen Gegensatz zu den politischen Entscheidungen von G.W. Leider werden sich den Film nicht viele anschauen, wie immer. Leute wie Michael Moore haben eine besere Publicitymaschine... aber ehrliche Berichterstattung ist ja eh fad.


*Kurz vor Veronika's Geburt fragt mich die Krankenschwester, woher ich komme. "Vienna" sag ich. Und sie:"Oh, is that the one with the boats?"

Posted at 12:35 PM on November 08, 2004
Comments

Hi Dinka!

Bin wiedermal beeindruckt von deinem Schreibstil und dem was du schreibst! Es spricht mich sehr an!
Dora

Posted by Anonymous at November 8, 2004 2:35 PM

Nachtraeglich schreibe ich meinen verlorenen Kommentar.
Dinka, manchmal sind persoenliche Meinungen besser als "objektive Artikel", und das ist der Fall in "Also was ich noch sagen wollte". Diese Gedanken, die Du niedergelegt hast sind auf der Ebene eines Leitartikels in einer guten Zeitschrift. Fuer mich ist das Beste, das ich nach den amerikanischen Wahlen gelesen hatte.
Ich habe mich schon mehrmals ueber Amerika und die Wahlen Fragen gemacht, natuerlich aus unserer christlichen Sicht, die sich fuer die Schwachen sorgt (und schwach sind wir alle menschens Kinder vor Gott). Wirklich hatte ich vielmals die Amerikaner nicht verstanden. Nach Deiner guten Analyse verstehe ich vieles besser. Auch verstehe ich besser, warum meine amerikanischen fellow Jesuits mehr den Demokraten geneigt sind, obwohl auch dort vieles zu schwach ist. Besonders kann ich mir wuenschen, dass in solchem Amerika nicht einen President, der Katholik ist, wuensche, weil er als Heuchler auf politischen Ebene auftreten muss.
Und die "komplette Unwissenheit", die Du erwaehnt hast, erinnert mich an das roemische Sprichwort (Einer, der drei Sprach kennt, ist ein "Trilingue", Mit zwei Sprachen ist "Bilingue", mit einer einzigen Sprache ist er ein Amerikaner oder ein Spanier).
Viel schlimmer ist, wenn man einen Krieg anfaengt ohne sich ueber die wichtigsten Folgen gut zu informieren. Kein Pazifismus wollen wir, sondern Friedensstiftung nach Matthaeus 5,1-11.
Ich kann nicht vorbei an einigen Passagen in Deinem Schreiben, die ich als Meisterstuecke ansehe. Einige davon in einem E-mail attachment.
Janez

Posted by Anonymous at November 10, 2004 3:02 AM